Karmel-Impulse

Mit den Augen Marias sehen (4. Sonntag) - Fastenzeit 2026

Karmeliten in Österreich

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Evangelium Jesu Christi nach Johannes (Joh 9,1.6-9.13-17.34-38)
Von der Blindheit zum Sehen: die erlösende Menschwerdung und die Barmherzigkeit Gottes
Maria und Christus: das wahre Sehen im Herzen der Barmherzigkeit


Zur Anmeldung:
http://exerzitien-online.karmel.at/

Anlässlich des doppelten Jubiläums von Johannes vom Kreuz (1726-1926-2026):
300. Jahrestag seiner Heiligsprechung (1726)
100. Jahrestag seiner Ernennung zum Kirchenlehrer (1926)

Wir bieten Ihnen Online-Exerzitien in der Schule des Heiligen Johannes vom Kreuz zur Vorbereitung auf Ostern an. Während dieser Exerzitien werden wir im Lichte der Evangelien unsere Beziehung zu Jesus vertiefen, um im Heiligen Geist unsere Vertrautheit mit ihm und mit dem Vater in der Tiefe unseres Herzens wiederzufinden. Es wird ein Weg der inneren Befreiung sein, auf dem Johannes vom Kreuz unser sicherer Führer sein wird. Er wird uns in einer zunehmend nach außen gerichteten Welt lehren, unser tiefstes Inneres wiederzufinden, wo Christus, der Bräutigam der Kirche, uns begegnen und reinigen will, damit wir mit ihm im Feuer des Heiligen Geistes zu den geliebten Kindern des Vaters werden.

Ein Angebot von:
Verlag Christliche Innerlichkeit - http://www.ci-verlag.at
Karmeliten in Österreich - http://www.karmel.at
Marienschwestern vom Karmel - http://www.marienschwestern.at
Edith Stein Gesellschaft Österreich - http://www.edith-stein-gesellschaft.at

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Grüß Gott allerseits. Das Evangelium der vierten, fasten Woche ist sehr dramatisch. Erzählt eine dramatische und bewegende Geschichte. Es gibt einen Blinden, einen Blindgeborenen, der das Licht eben nicht mehr sieht, und zwar vom Geburt an in dem Zustand war, und er wird von Jesus geheilt. Das Thema dieser Woche, dieser Meditation, des Evangelium, ist gerade die Augen Gottes, mit den Augen Gottes sehen, von einer Blindheit durch die erlösende Menschwerdung zum Sehen kommen. Was sehen wir aber? Wir sollen die Barmherzigkeit Gottes erkennen, die Liebe Gottes. In diesen Blinden ist symbolisch Adam, also der Mensch eigentlich abgebildet, der eben seit Adam, seit der Ursünde, blind geworden ist. Und Jesus wird den Blindgeborenen mit einem Teig, mit Speichel und Erde mit einem Lehm heilen. Dieser Teig ist ähnlich wie in der Bibel das Material, aus dem der Mensch selbst gemacht wurde von Gott in der Genesis. Adam also wird aus Teig gemacht. Und das ist dieser Teig, den Jesus auch Gott selbst verwendet, um den blind gewordenen Menschen nach Adam, nach der Sünde, wieder sehend zu machen. Der Blinde wird auch im Teich von Schiloach erwaschen müssen. Also er muss in Jesus, den Gesandten, eintauchen. So werden wir an dieser Stelle in einer symbolischen Sprache auch mit der Neuschöpfung konfrontiert. Jesus spuckte auf die Erde mit seinem Atem, mit seinem göttlichen Atem, der bereits bei der Schöpfung gegenwärtig war und nichts anderes ist als der Heilige Geist. Und dieser Mensch wird zu einer Neugestaltung, wie damals Adam selbst. Wir werden also vom Blinden zu Sehenden durch die Menschwertung Jesu Christi. Das ist auch der Teig, wo der Heilige Geist im Teig, also der Menschheit Mariens, zu dem neuen Menschen wird. Durch Maria, also können wir sagen, werden wir, werden alle die Kinder Gottes, die blind waren, neu geschaffen und sehend gemacht. Vielleicht ist es noch nicht ganz klar, wie diese geistliche Deutung der Heilung des Blinden zu verstehen ist. Aber im Grunde, was macht Adam blind? Und ist es nicht ein Widerspruch? Adam und Eva werden eigentlich sehend durch die Ursünde. Wir wissen noch, nachdem sie diese Frucht aßen, die ihnen verboten war zu essen, da gingen beiden die Augen auf, heißt es in der Bibel. Und sie sahen, dass sie nackt waren. Also die Botschaft ist, sie werden sehend aus eigener Kraft. Sie haben diesen Schritt getan, um selber unterscheiden zu können zwischen Gut und Bösen. Das klingt wörtlich in der Bibel seltsam. Warum sollte Gott etwas dagegen haben, dass die Menschen selber das Böse und das Gute voneinander trennen können? Aber sprachlich die Meinung, die Bedeutung von diesem Bild ist, dass die Menschen selber entscheiden, was gut und böse ist. Also nicht mehr von Gott empfangen, was sie empfangen sollen, also auch die richtige Sichtweise auf die Welt, sondern selber den Anspruch stellen, wie Gott zu sein und selber dann entscheiden zu können. Also auch gegen den Willen Gottes womöglich, was dem gut oder schlecht ist. Diese taten sich die Augen auf und sie erkannten, dass sie nackt waren. Der Mensch erkennt dann die eigene Nacktheit, die eigene Verletzlichkeit. Allerdings nicht mit den Augen eines Barmherzigen Gottes, den haben sie verlassen, auf dem vertrauen sie nicht mehr, sondern mit den Augen des urteilenden Menschen, der Nacktheit oder Verletzlichkeit, Schwachheit nicht erträgt, womöglich auch Fehler und Sünden ausmerzen will mit den ganzen Menschen zusammen, also ein urteilender Blick, ein verurteilender Blick über sich selbst auch und der Verlust des Glaubens an einen guten und barmherzigen Gott. Sie werden zwar physisch und biologisch schärfer sehen, aber um zu urteilen. Sie halten dann die eigene Nacktheit, die eigene Verletzlichkeit nicht mehr aus, denn sie haben den Bezug auf den barmherzigen Gott verloren. Und deshalb haben sie auch Angst vor Gott. Sie verstecken sich. Sie schämen sich für die eigene Nacktheit. Jesus aber durch die Menschwerdung, Gott, in Jesus durch die Menschwerdung bildet einen neuen Menschen, wie gesagt, aus dem Teig wieder, wie am Anfang, und macht den Menschen wieder gläubig, und zwar sehend. Aus einem sehen können, was eigentlich eine Blindheit sein wird. Also ich kann bestens sehen und sogar sehr scharf sehen. Ich brauche keine Brille, aber ich könnte auch keine brauchen. Aber trotzdem blind sein. Das ist die Botschaft. Diese Blindheit hat erst einmal nichts mit der Medizin, mit Krankheit und so zu tun, sondern mit unserem Blick und mit dem Blick Gottes auf die Wirklichkeit. Wie wir auf die Verletzlichkeit und Unvollkommenheit der Menschen und unserer Selbst auch schaut. Das sagt auch Johannes vom Kreuz, wenn er besonders den geistlichen Stolz anbrannt hat in ihren Werken, an mehreren Stellen, gerade diese Haltung des Guten, des Pharisäers, der Schiffgelehrten, das ist auch im heutigen Evangelium, der den barmherzigen Blick verloren hat, weil er im Grunde nicht mehr an den Barmherzigen Gott glaubt und mit der eigenen Sehschärfe nur verurteilt und sich über das Gesetz stellt und nur das moralische Gesetz sieht und daher den Menschen nicht mehr sieht, indem es blind wird. Wenn ihr blind wäret, sagt Jesus, diesen selbstgerechten Menschen, dann hättet ihr keine Sünde. Jetzt aber sagt ihr, wir sehen und darum bleibt eure Sünde. Merkwürdige Ausprüche. Aber wenn wir es in dieser geistlichen Deutung verstehen, dann heißt es, ja, wenn du bei deiner Sichtweise bleibst und urteilst und deine Sehkraft und deine Verstandskraft nur zum Urteilen verwendest und zum Beurteilen, dann bist du eigentlich blind. Dann hast du die eigene Menschlichkeit auch verloren, geschweige das Verständnis, Menschwerdung, für die Annahme der Menschheit durch Gottes Liebe. Es sind tatsächlich Bilder, die uns manchmal überfordern, aber ich glaube, wenn wir einen Bezug dazu entwickeln, verstehen wir auch das, was da mit Blindheit und mit Seelkraft, Sehnkraft gemeint ist. Der geistliche Stolz. Sind wir nicht alle ein wenig davon betroffen? Achten wir zumindest darauf, und das ist die Einladung für diese Woche, uns auch zu prüfen, in diesem Zusammenhang, die Nacktheit Adams kann Adams selbst nicht mehr erkennen, nicht mehr annehmen, erkennen sehr wohl. Wir sollten anders mit der Hilfe Gottes, mit uns selbst umgehen und mit den anderen Menschen diese Nacktheit ertragen und alles, auch diese Verletzlichkeit, als Geschenk Gottes ansehen. Der tiefe Glaube in einen Gott, der nicht der Verurteilende ist, nicht der von oben herab auf uns nur die Fehler und Misserfolge aufzählt, sondern Glauben einen barmherzigen Gott, der selber diese Menschheit, dieses Menschsein auf sich genommen hat und gerade am Kreuz gezeigt hat, dass er diese Verletzlichkeit nicht gescheut hat und nicht zurückgewiesen hat. Warum dann der Blick Mariens? Wie gesagt, in Maria geschieht diese Neuschöpfung, wo der Teig, so der Heilige Geist, sich mit dem Fleisch Mariens verbindet und diese neue Schöpfung schafft. Jesus Christus, dieser mensch gewordene Sohn Gottes. Und dieser Mensch gewordene Sohn Gottes ist es, der auf uns verwandeln kann und unsere Augen öffnen kann. Also in Maria ist das als erstes und aus wunderbarer Weise geschehen. Sie kennen alle diesen Spruch von Saint-Exuperie, man sieht nur mit dem Herzen Wut. Und auf das will vielleicht die heutige Meditation hin. Wie schauen wir uns selbst an und wie schauen wir die anderen an? Natürlich insbesondere in Bezug auf Sünde oder auch auf Fehler, auf Ungenügen, auf das, was wir versucht sind zu verurteilen und nicht sehen zu wollen im Grunde. Maria ist aber diejenige, die die eigene Kleinheit zu diesen akzeptiert, weil Gott sie nicht nur akzeptiert, sondern außerwählt für einen großen Dienst. Im Magnifikat Preis Mariens gerade das, dass Gott, der Mächtige, auf die Niedrigkeit seiner Magde geschaut hat. Wir müssen endlich akzeptieren, dass Jesus in die Niedrigkeit, also in unserem Lehm, in diesen Teig, in unseren Schlamm, in den Schlamm unseres Lebens eintaucht, in unser Elend auf. Und wenn wir es zulassen und das sehen, seine Liebe sehen, nicht nur das Negative, dann kann er auch in uns Großes bewirken, Großes wirken. Ein weiteres Bild, was auch Johannes am Kreuz erwendet, Eva wird angezogen, Adam und Eva, in der Geschichte der Ursünde, weil dieser Baum eine Augenweide war. Wunderschön. Eine schöne, gute Versuchung. Also sie sah in etwas stark anziehendes. Aber in den Sprüchen werden. Der Propheten zeigt sich Gott meistens nicht in diesen wunderbaren Gestalten. Saja sieht einen knusbösen Trieb, aus einem Wurzelstamm sprießen. Kein punktvolles Bild. Und so auch an vielen anderen Orten in der Bibel. Passen wir auch auf, dass wir uns nicht täuschen lassen vom Aussehen, vom Glanz bzw. nicht abschrecken lassen, auch vom Elend und vom Schmutz vielleicht, ja vom Schlamm, dass wir um uns in anderen Menschen, aber besonders auch in uns selbst sehen. Ein Weg auf Ostern hin, zuerst mal ein Weg der Annahme einer Realität, der Ehrlichkeit dieser Realität, dieser Wirklichkeit gegenüber und aus sich bemühen, die Augen Gottes zu haben, also den Blick Gottes einzuüben. Lassen wir uns von ihm so in der Barmherzigkeit ansehen und lernen wir daraus, wie wir auch auf andere schauen sollen. Eben nicht von oben herab, sondern wie Brüder und Schwestern. Dann wird der Weg unserer Bekehrung große Fortschritte machen.